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Jahresstart Unternehmen Schweiz – Was KMU 2026 jetzt prüfen sollten

  • Autorenbild: Daniel Marty
    Daniel Marty
  • 26. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Der Jahreswechsel markiert für viele KMU nicht nur den Beginn eines neuen Geschäftsjahres, sondern auch einen sinnvollen Zeitpunkt, um innezuhalten und das Unternehmen administrativ sauber auszurichten. Erfahrungsgemäss werden operative Themen priorisiert, während finanzielle, steuerliche und rechtliche Fragen auf später verschoben werden. Genau hier entstehen jedoch oft Risiken, die sich erst Monate später bemerkbar machen.

Der Jahresstart für Unternehmen in der Schweiz ist ein idealer Zeitpunkt, um steuerliche, organisatorische und finanzielle Themen systematisch zu überprüfen – nicht im Sinne einer Detailprüfung, sondern als strukturierte Standortbestimmung.



Moderner Büroarbeitsplatz mit Blick über die Stadt Luzern, den Vierwaldstättersee und den Pilatus bei Sonnenaufgang – symbolisch für Jahresstart, Planung und Unternehmensführung in der Schweiz.
Nimm Dir Zeit, um das neue Jahr zu planen und organisieren.

Buchhaltung und Jahresabschluss: Mehr als nur eine Pflichtübung

Auch wenn der Jahresabschluss 2025 formal erst im Laufe von 2026 finalisiert wird, lohnt sich zu Jahresbeginn ein kritischer Blick auf die Buchhaltung. Unsaubere Abgrenzungen, nicht überprüfte Rückstellungen oder alte Debitoren wirken sich nicht nur auf das Jahresergebnis aus, sondern verzerren auch die Grundlage für Budget, Liquiditätsplanung und Steuerprognosen.

Gerade bei KMU zeigt sich häufig, dass Forderungen zwar noch in der Bilanz stehen, faktisch aber kaum mehr einbringlich sind. Werden solche Positionen nicht rechtzeitig bereinigt, führt dies zu einem zu hohen ausgewiesenen Gewinn und damit zu unnötiger Steuerbelastung. Umgekehrt können fehlende Rückstellungen dazu führen, dass Risiken unterschätzt werden und später überraschend auf das Ergebnis durchschlagen.

Steuern: Liquidität steuern statt reagieren

Ein zentraler Hebel zu Jahresbeginn liegt bei den Steuern. Provisorische Steuerrechnungen basieren häufig auf älteren Jahreszahlen und bilden die aktuelle wirtschaftliche Situation nur ungenügend ab. Hat sich der Gewinn 2025 deutlich verändert, kann eine Anpassung der Akontozahlungen für 2026 sinnvoll sein.

Dies ist kein rein steuerliches Thema, sondern vor allem eine Frage der Liquiditätssteuerung. Zu hohe Vorauszahlungen binden unnötig Mittel, während zu tiefe Akonti später zu hohen Nachzahlungen führen können. Auch die Mehrwertsteuer sollte zu Jahresbeginn überprüft werden: Veränderungen im Umsatz, neue Leistungen oder internationale Tätigkeiten können dazu führen, dass die gewählte Abrechnungsmethode nicht mehr optimal ist oder neue Pflichten entstehen.

Sozialversicherungen und Löhne: Kleine Anpassung, grosse Wirkung

Änderungen bei Löhnen, Beschäftigungsgraden oder Personalbestand wirken sich direkt auf AHV, UVG und BVG aus. Zu Jahresbeginn sollte geprüft werden, ob alle Anpassungen korrekt in der Lohnbuchhaltung abgebildet sind. Besonders relevant ist dies bei Teilzeitmodellen, variablen Löhnen oder bei Mitarbeitenden, die neu in eine Vorsorgelösung aufgenommen werden.

In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass BVG-Lohnmeldungen verspätet oder unvollständig erfolgen. Dies kann nicht nur zu Nachbelastungen führen, sondern im Leistungsfall auch zu unangenehmen Diskussionen mit Mitarbeitenden. Der Jahresstart ist deshalb ein guter Zeitpunkt, um sicherzustellen, dass die versicherten Löhne korrekt gemeldet und dokumentiert sind.

Versicherungen: Passen Deckung und Realität noch zusammen?

Versicherungslösungen werden häufig einmal abgeschlossen und danach jahrelang nicht mehr hinterfragt. Dabei verändern sich Unternehmen laufend. Neue Tätigkeiten, steigende Lohnsummen oder veränderte Arbeitsmodelle können dazu führen, dass bestehende Deckungen nicht mehr zur Realität passen.

Insbesondere bei Unfall- und Krankentaggeldversicherungen lohnt sich ein Abgleich zwischen effektiven Risiken und vertraglicher Absicherung. Zu tiefe Deckungen bergen Risiken, zu hohe Deckungen verursachen unnötige Kosten. Auch Arbeitgeberbeiträge an die berufliche Vorsorge können im Rahmen der Jahresplanung strategisch überprüft werden – etwa im Hinblick auf Mitarbeiterbindung oder steuerliche Optimierung.

Gesellschaftsrecht und Verträge: Ordnung schafft Sicherheit

Zu Beginn des Jahres sollten auch formale Aspekte überprüft werden. Stimmen die im Handelsregister eingetragenen Zeichnungsberechtigungen noch mit der tatsächlichen Organisation überein? Gab es personelle Veränderungen im Verwaltungsrat oder in der Geschäftsleitung, die noch nicht nachgeführt wurden?

Ebenso wichtig ist ein Blick auf bestehende Verträge. Darlehen zwischen Gesellschaft und Aktionären, Aktionärsbindungsverträge oder interne Vereinbarungen sollten regelmässig überprüft werden. Gerade im Steuer- und Haftungsbereich können veraltete oder unklare Regelungen zu unerwünschten Konsequenzen führen.

 

Planung und Liquidität: Entscheidungen vorbereiten statt improvisieren

Ein strukturierter Budget- und Liquiditätsplan ist kein Kontrollinstrument, sondern eine Entscheidungsgrundlage. Zu Jahresbeginn lassen sich Investitionen, Ersatzbeschaffungen oder grössere Projekte realistisch einplanen. Gleichzeitig wird sichtbar, ob und wann finanzielle Engpässe entstehen könnten.

Auch strategische Überlegungen – etwa zur Dividendenpolitik, zur Lohnstrategie der Inhaber oder zu geplanten Investitionen – profitieren von einer frühzeitigen Planung. Selbst wenn Entscheidungen erst später umgesetzt werden, schafft eine saubere Vorbereitung Klarheit und Handlungsspielraum.

Fazit: Jahresstart als Chance nutzen

Der Beginn des Jahres 2026 bietet KMU die Gelegenheit, administrative und finanzielle Themen bewusst anzugehen, bevor sie im Tagesgeschäft untergehen. Wer sich frühzeitig einen Überblick verschafft, reduziert Risiken, verbessert die Steuerung des Unternehmens und schafft eine solide Basis für das laufende Jahr.

Nicht jeder Punkt erfordert sofortiges Handeln. Doch eine strukturierte Auseinandersetzung hilft, Prioritäten zu setzen und fundierte Entscheidungen vorzubereiten. Ein kurzer Austausch mit einer Treuhandstelle kann dabei unterstützen, blinde Flecken zu erkennen und die richtigen Schritte zur richtigen Zeit einzuleiten.

 
 
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